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Das israelische Gesundheitssystem

Das israelische Gesundheitssystem funktioniert ganz anders als das deutsche, und es ist völlig normal, sich anfangs darin zu verlieren. Hier das Wesentliche: wie Sie versichert sind, wie die Beiträge laufen, wo Sie behandelt werden und was im Notfall zu tun ist.

Ein universelles System, finanziert durch Pflichtbeiträge

Seit dem Gesetz über die staatliche Krankenversicherung von 1995 hat jede in Israel ansässige Person automatisch einen medizinischen Grundschutz. Das System ruht auf zwei klar getrennten Institutionen, die man nicht verwechseln sollte:

  • Bituach Leumi (die Nationalversicherung), die Sozial- und Gesundheitsbeiträge einzieht und sie anschließend nach Mitgliederzahl an die Krankenkassen weiterleitet.
  • Die Kupot Cholim (die Krankenkassen), also die Träger, die Ihnen die Versorgung tatsächlich erbringen: Sprechstunden, Fachärzte, Apotheke, Krankenhausbehandlung, Laboruntersuchungen und so weiter.

Anders gesagt: Sie zahlen Ihrer Kupat Cholim nie direkt für die Grundversorgung. Finanziert wird das ganze System durch Ihren Beitrag an Bituach Leumi, der automatisch vom Gehalt einbehalten wird.

Wie die Beiträge funktionieren

Jede ansässige Person über 18 schuldet einen monatlichen Beitrag an Bituach Leumi, in dem der Anteil für Ihre Kupat Cholim bereits enthalten ist — Sie zahlen also nicht doppelt. Bei Angestellten führt der Arbeitgeber ihn direkt ab, mit einem Satz, der mit dem Gehalt steigt.

Wer weder Arbeit noch Einkommen hat, schuldet dennoch einen symbolischen monatlichen Mindestbeitrag, um den Anspruch auf Versorgung zu behalten. Neue Olim sind in den ersten sechs Monaten nach ihrer Alija vollständig beitragsbefreit und erhalten trotzdem alles, was der Gesundheitskorb vorsieht.

Das Prinzip der Kupot Cholim

In Israel gibt es vier Krankenkassen: Clalit, Maccabi, Meuhedet und Leumit. Es sind gemeinnützige Träger, die ihren Mitgliedern einen identischen Grundkorb an Leistungen bieten müssen, gesetzlich festgelegt (der Sal Briut). Dazu gehören hausärztliche und fachärztliche Sprechstunden, Apotheke, Krankenhausaufenthalte, Untersuchungen und Laboranalysen sowie bestimmte Heilmittel.

Jede ansässige Person wählt ihre Kupat Cholim bei der Anmeldung frei und kann später wechseln. Alle vier bieten denselben Grundkorb, unterscheiden sich aber in Praxisnetz, regionaler Präsenz, digitalen Diensten und Zusatzversicherungen. Was die einzelnen Kassen auszeichnet, führen wir in unserem Leitfaden zu den Kupot Cholim aus.

Zur Hausärztin oder zum Facharzt

Für die hausärztliche Sprechstunde buchen Sie in der Regel direkt in einer Praxis (Clinica) Ihrer Kupat Cholim — online, telefonisch oder über die App der Kasse.

Bei Fachärzten hängen die Regeln von Kasse und Fachgebiet ab: manche Termine sind direkt zugänglich, andere setzen eine Überweisung (Hafnaya) der Hausärztin voraus. Prüfen Sie vorher in der App oder bei Ihrer Kasse, ob eine Überweisung nötig ist, damit die Kostenübernahme nicht verweigert wird.

Krankenhäuser: Notfall oder planbar

Israelische Krankenhäuser erreicht man je nach Lage auf zwei sehr unterschiedlichen Wegen:

Im lebensbedrohlichen Notfall (schwerer Unfall, Brustschmerz, Atemnot, Bewusstlosigkeit und so weiter) fahren Sie direkt in die Notaufnahme (Miyun) des nächsten Krankenhauses oder rufen Magen David Adom unter 101, dann kommt ein Rettungswagen. Eine vorherige Genehmigung braucht es nicht: lebensbedrohliche Notfälle werden sofort behandelt, unabhängig von Ihrer Kasse.

Für einen planbaren Krankenhausaufenthalt oder Termin (geplante Operation, Termin bei einer Klinikfachärztin, bestimmte Untersuchung) ist dagegen in der Regel eine vorherige Genehmigung Ihrer Kupat Cholim nötig. Diese Genehmigung, Hitchajvut genannt, muss vor Termin oder Aufnahme vorliegen, damit die Kosten übernommen werden.

Zusatzversicherungen

Der Grundkorb deckt das Wesentliche, lässt aber einiges aus: Medikamente außerhalb des Sal Briut, die freie Wahl der Operateurin, manche Zahnbehandlungen, einen Teil der paramedizinischen Leistungen oder den Zugang zu einer Zweitmeinung.

Um diese Lücken zu schließen, bietet jede Kupat Cholim eine Zusatzversicherung (Bituach Maschlim) an, kostenpflichtig und freiwillig, mit mehreren Deckungsstufen je nach Bedarf und Budget. Zusätzlich lässt sich bei einem israelischen Versicherer eine private Krankenversicherung abschließen, für noch breiteren Schutz — etwa im Ausland oder für leichteren Zugang zum privaten Sektor.

Welche Zusatzformel passt, hängt stark von Ihrer persönlichen und familiären Lage ab. Was die einzelnen Kassen anbieten, stellen wir in unserem Leitfaden zu den Kupot Cholim dar.

Kurz gefasst

  • Sie zahlen automatisch über Bituach Leumi, abgezogen vom Gehalt.
  • Sie gehören einer der vier Kupot Cholim an, die Ihnen den Grundkorb erbringt.
  • Prüfen Sie beim Facharzt, ob eine Überweisung nötig ist.
  • Im lebensbedrohlichen Notfall in die Notaufnahme oder 101 (Magen David Adom) — ohne Genehmigung.
  • Für planbare Krankenhausbehandlung ist meist eine Genehmigung Ihrer Kasse nötig.
  • Eine Zusatzversicherung deckt, was der Grundkorb nicht übernimmt.